In meiner Kindheit war ich ein begeisterter Fan von Winnetou. Jahre später habe ich dann erfahren, dass die Filme nicht im Amerika sondern im kroatischen Teil des ehemaligen Jugoslawiens. Genauer gesagt wurde ein Großteil der Filme in dem Nationalpark Plitvicer Seen gedreht. Als ich mit einem Kollegen zufällig über die Filme sprach erzählte dieser mir voller Begeisterung er wäre vor wenigen Jahren auch dort gewesen und zeigte mir Fotos. Mein Interesse war geweckt, die Seen sahen einfach nur traumhaft schön aus und die Intensität der Natur beeindruckte mich.
Also beschloss ich, auf meiner Kroatienrundreise den Plitvicer Seen einen Tag zu widmen. Da der Park sehr groß ist und ich natürlich so viel wie möglich sehen wollte plante ich schon einen Abend früher dorthin zu fahren und in einer nah gelegenen Ferienwohnung zu übernachten und dann am nächsten Morgen früh aufzustehen und den ganzen Tag im Park zu verbringen. Da der Nationalpark Plitvicer Seen nicht in Dalmatien, der südlichen Region von Kroatien, liegt sondern in Lika, weiter nördlich im Landesinneren, dauerte die Fahrt recht lange und ich war sehr erschöpft als ich endlich ankam.
Am nächsten Morgen frühstückte ich erstmal ausgiebig und packte mir ein großes Proviantpaket: belegte Brote, Obst, Wasser und Kekse. Von meinem Kollegen hatte ich nämlich den Tipp bekommen mich selbst zu verpflegen und mir nichts in den Bistros im Nationalpark Plitvicer Seen zu kaufen. Er meinte die Preise seien hoch und die Qualität nicht besonders. Da die Sonne bereits jetzt voll und strahlend am Himmel stand packte ich eine Sonnencreme ein. Nachdem ich mein Kamera-Akku überprüft hatte machte ich mich auf den Weg.
Am Parkplatz angekommen, der leider kostenpflichtig ist, machte ich mich auf die Suche nach einem Parkplatz im Schatten. Zum Glück war ich so früh unterwegs, dass außer mir erst wenige Autos da waren. Der Parkplatz verfügte über keine Nummerierungen oder sonstige Unterteilungen, so dass ich mich schon jetzt auf die Suche später freute.
Am Eingang angekommen zahlte ich den Eintritt von ungefähr 15€ für eine Tageskarte und überlegte für welche der angebotenen Wanderwege ich mich entscheiden sollte. Es gab insgesamt neun Wanderwege durch die Plitvicer Seen. Je nachdem welchen der zwei Eingänge man wählt kann man sich für kurze oder längere Routen entscheiden. Der kürzeste Wanderweg dauerte nur knapp zwei Stunden und schied somit direkt aus. Der längste sollte ungefähr acht Stunden dauern, aber da er nur eine kurze Schifffahrt beinhaltete und man ansonsten nur zu Fuß unterwegs war entschied ich mich für einen Wanderweg, der ca. sechs Stunden dauern sollte. Mein Wanderweg beinhaltete zwei Busfahrten und eine Schifffahrt über den größten der insgesamt 16 Seen im Nationalpark Plitvicer Seen.
Der von mir gewählte Wanderweg begann gemütlich mit einer Busfahrt. Die Busse waren alt und erinnerten mich an Safaribusse. Nach knapp 10 Minuten war die Fahrt vorbei und alle Fahrgäste stiegen aus. Hier gab es einen großen Rastplatz mit Toiletten, Picknick-Tischen und Bänken und den besagten Bistros. Schon von weitem roch ich den Geruch von altem Fett. Obwohl ich nicht hungrig war ging ich aus reiner Neugier in das Bistro um mir die Preise anzusehen. Die Schlange war lang und draußen saßen schon die ersten Leute mit ihren Fritten, gekauften Sandwiches und co. Alle sahen soweit zu frieden aus. Die Preise waren allerdings wirklich gesalzen: eine 1,5 Liter Flasche von der einheimischen Wassermarke kostete 3,50€, die anderen Getränkepreise waren auf einem ähnlichen Niveau. Ich war ziemlich froh, dass ich auf meinen Kollegen gehört hatte.
Da ich noch keine Rast machen wollte ging ich weiter. Ich befand mich an den oberen Seen, jeder See war auf seine Art einzigartig. Der eine war besonders klar, der andere besonders reich an Rauwacken und so weiter. Ich musste nicht lange gehen und dann sah ich auch schon die ersten Wasserfälle im Nationalpark Plitvicer Seen. Sie waren ziemlich klein, aber trotzdem schön anzusehen. Die Wege führten teilweise über Holzstege, unter denen Wasserpflanzen sich im leichten Wind bewegten, wieder andere Strecken des Weges gingen über ganz normale naturbelassene Wege. Hier musste man gut aufpassen, da immer weider dicke Wurzeln aus der Erde ragten. Zum Glück hatte ich bequeme Schuhe. Mittlerweile war es schon Mittag und die Sonne stand hoch am Himmel, aber hier spürte man die Hitze nicht. Im Gegenteil, es war sehr angenehm schattig und eine leichte Brise wehte.
Ich war überrascht von den vielen Fischen die ich in den Seen gesehen hatte, es gab größere und kleinere Fische, die harmonisch die Seen durchschwammen. Manchmal gesellten sich Entenfamilien zu ihnen. Der Park war trotz der vielen Besucher nicht überlaufen und ruhig. Da es an den Seen immer wieder Bänke gab konnte man jederzeit eine Rast einlegen. Ich wollte allerdings zuerst über den größten der Plitvicer Seen fahren und dann dort eine Rast einlegen. Der Kozjak Jezero ist nicht nur der größte See des Nationalparks sondern auch der letzte der zwölf oberen Seen. Hier fahren regelmäßig die park-eigenen Schiffe die Besucher auf die gegenüberliegende Seeseite. Ich hatte Pech und konnte nicht mehr ausf das Schiff, das wenige Minuten nach meiner Ankunft anlegte. Daher musste ich eine Weile warten. Auf die Schiffe passen maximal 100 Personen und bevor man einsteigen kann wird das Ticket kontrolliert.
Als ich auf dem Schiff saß, das sehr leise fährt und oben offen ist, genoss ich die Fahrt. Der See hatte eine wunderschöne türkis-blaue Farbe und war so klar, dass man die Massen an Fische, die herum schwamm beobachten konnte. Leider dauerte die Fahrt nicht so lange und schon bald legten wir wieder an. Auf dem Rastplatz angekommen setzte ich mich unter den Schatten an einen der vielen Tische. Ich aß meine mitgebrachten Brote und das Obst. Währenddessen schaute ich mir schon mal die Fotos an, die ich bis jetzt gemacht hatte. Die Seen waren wirklich traumhaft schön, auch wenn man ihre Besonderheit und Schönheit auf Fotos nicht einfangen kann.
Nachdem ich genug gegessen und getrunken hatte machte ich mich auf den letzten Teil meiner Wanderung. Ich wollte unbedingt einen Abstecher zum Veliki Slap, dem großen Wasserfall, machen. Der Wasserfall ist nicht nur der größte Wasserfall des Nationalpark Plitvicer Seen sondern von ganz Kroatien. Der Wasserfall liegt zwar nicht auf der festgelegten Wanderroute sondern man muss einen kleinen Schlenker machen, aber da ich nun schon mal hier war wollte ich ihn auch unbedingt sehen. Der Weg war problemlos zu finden, denn außer mir wollten sehr viele Besucher dorthin. Als ich dort ankam war ich etwas enttäuscht, ich hatte ihn mir viel größer und breiter vorgestellt. Auf den Fotos in meinem Reiseführer hatte er viel beeindruckender ausgesehen. Später erfuhr ich, dass der Wasserfall im trockenen Hochsommer auf Grund der ausbleibenden Regenfälle weniger stattlich ist als zu den anderen Jahreszeiten. Ich bin aber trotzdem froh, dass ich hierher gekommen bin, denn sonst hätte ich ja den höchsten Wasserfall Kroatiens nicht gesehen. Und auch wenn er etwas kleiner als in meiner Vorstellung war, ist er trotzdem sehenswert und sehr hübsch.
Weiter führte mich mein Weg an den unteren vier Plitvicer Seen vorbei. Der oberste der unteren Seen der Milanovac Jezero hat mir wegen seiner unbeschreiblichen Färbung am besten gefallen. Dann folgten noch drei weitere Seen und eine kleine Höhle und dann war ich auch schon am Ausgang angelangt. Da ich mir viel Zeit genommen hatte um mir die Seen auch richtig anzusehen hatte ich fast sechs Stunden gebraucht und ich war schon etwas erschöpft von dem langen Weg und der vielen frischen Luft. Zum Glück kam der Bus, der mich wieder zurück zum Eingang bringen sollte schnell und wider erwarten fand ich mein Auto problemlos wieder.
Der Nationalpark Plitvicer Seen ist unbedingt sehenswert. Wer sich in Kroatien aufhält sollte sich wirklich einen Tag Zeit nehmen und sich den Park ansehen. Zu jeder Jahreszeit sieht der Park anders aus und ist immer wieder neu faszinierend. Ich bin sehr froh, dass ich hierher gekommen bin und einen Tag in dieser unglaublichen Atmosphä re verbracht habe!
Mein Fazit zu den Plitvicer Seen : Unbedingt her kommen und genießen!









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